AfD – Kriminelles und Kurioses vom rechtsextremen Rand Update 51

Zuletzt aktualisiert: 3. September 2026Von Tags: , , ,
5,2 Min. LesezeitViews: 64

Razzia bei Landtagskandidaten der AfD in Sachsen-Anhalt

Simon Lansmann ist AfD-Landtagskandidat mit Listenplatz 8 bei der kommenden Landtagswahl. Auf seinem Hof nördlich von Magdeburg soll eine Sonnenwendfeier stattgefunden haben, bei der einige Größen der Neonaziszene anwesend waren.

Geheimdienstliche Erkenntnisse über diese Feier riefen nun die Staatsanwaltschaft Halle auf den Plan. Es lagen ausreichend gesicherte Erkenntnisse darüber vor, dass die 2023 verbotene „Artgemeinschaft – Germanische Glaubens-Gemeinschaft“ als Neonazi-Verein eingestuft wurde. Dieser als Verein getarnte völkische Kampfverband hat Rassismus und Germanenkult zur Religion erhoben, so die Expertinnen Andrea Röpke und Andreas Speit. Das „Sittengesetz“ des Vereins habe „Zuneigung und Liebe gegenüber Verwandten, Freunden und Gefährten“ verlangt sowie „Wachsamkeit und Vorsicht gegenüber Fremden“ und „Härte und Hass gegen Fremde“. Bei Durchsuchungen im Jahr 2023 wurden bei den etwa 150 Mitgliedern reichlich Nazi-Devotionalien, wie z. B. Weihnachtsbaumschmuck mit Hakenkreuzen gefunden.

Die kürzlich erfolgte Durchsuchung sollte u. a. klären, ob die Vereinigung wieder aktiv ist.

Laut Zeitungsberichten werden 15 Verdächtige aufgeführt, unter ihnen der AfD-Kandidat Lansmann, der der Wohn- und Lebensgemeinschaft auf dem durchsuchten Hof vorsteht, und seine Frau, die Mitglied der Artgemeinschaft gewesen sein soll.

Ebenfalls verdächtigt, die Artgemeinschaft weiter betrieben zu haben, ist Sebastian Koch, über den es sogar behördliche Gutachten gibt, die seine Nähe zum neonazistischen Gedankengut dokumentieren.

„Eine Geburt lässt den kulturellen Erbstrang nicht beschneiden“, schrieb er 2024 auf Facebook. Das zeige sich „bei den ganzen Talahons, die schwerst frauenfeindlich und rassistisch gegen Deutsche handeln, obwohl sie in 3. Generation hier leben“.

Der Anwalt der beiden bestätigte die Feier, bei der auch Lieder der Hitlerjugend gesungen worden sein sollen. Der Anwalt bestreitet alle Vorhaltungen bezüglich der Artgemeinschaft.

Die AfD Sachsen-Anhalt gibt zu laufenden Ermittlungen keine Kommentare ab.

Das dunkle Netzwerk des Duftbaumverkäufers Siegmund

Stets lächelnd tourt Ulrich Siegmund durch Sachsen-Anhalt. Er reicht jedem die Hand, der oder die sich nicht schnell genug verkrümelt. Er tut sogar so, als würde er sich kritischen Fragen stellen, wie zum Beispiel von Fabian Köster – nur antwortet er nicht.

Die Kampagne der AfD in Sachsen-Anhalt gilt bisher als die erfolgversprechendste seit Bestehen der Partei. 40 % der Stimmen sind prognostiziert. Schon das zu erreichen, wäre für die rechtsextreme Partei ein Riesenerfolg.

Siegmund, eigentlich mal Unternehmer für Raumdüfte, ist der Posterboy eines Netzwerks. Dahinter stecken die üblichen Strategen wie Götz Kubitschek, aber auch neue Player wie die Influencer Kolja Barghoorn und Arminius DD. Die Filmchen, die täglich neu in die Netzwerke fluten, werden von Simon Kaupert und Kollegen gemacht. Seine Nähe zur Identitären Bewegung ist dokumentiert.

Auch Patrick Herr, heute Sprecher Siegmunds, hat eine rechtsextreme Vergangenheit. Er war Funktionär der Heimattreuen Deutschen Jugend.

Programmatisch ist Hans-Thomas Tillschneider verantwortlich. Der geborene Rumäne ist der Scharfmacher der Fraktion, wesentlicher Autor des Programms und vorderster Kulturkämpfer. Er feiert den Geburtstag Putins in der russischen Botschaft. Er ist ebenso Mitglied der sogenannten Pokerrunde, die vor Monaten in der Verwandtenaffäre Furore machte.

Sollte Siegmund tatsächlich Ministerpräsident werden, sollten all diese Leute wesentliche Ämter in der Landesregierung übernehmen.

Bankräuber kandidiert für die AfD in Mecklenburg-Vorpommern

Sascha Gläser heißt der Mann, der für die AfD im Wahlkreis 7, Rostock, kandidiert.

Was ihn zum Landtagsabgeordneten prädestiniert, ist unklar, denn Gläser hat eine kriminelle Vergangenheit.

Er wurde am 20. Dezember 2012 verhaftet, denn er war am Vortag unmaskiert mit einer Schusswaffe in die Volksbank Duisburg-Rumeln gestürmt und hatte Bargeld gefordert.

Der angeblich „größte Fehler seines Lebens“ kostete ihn zwei Jahre und sechs Monate Haft. Er wurde wegen schwerer räuberischer Erpressung verurteilt. Gläser erläutert seine Tat gegenüber der Ostsee-Zeitung damit, dass die Tat „Ausdruck einer persönlichen Krise und eine Flucht aus seinem Lebensumfeld“ gewesen sei. Er habe in einer „toxischen Beziehung“ gelebt.

Der AfD war die Vergangenheit des Kandidaten angeblich nicht bekannt. Nachdem ihn die Partei um eine Erklärung aufgefordert hatte, hat Gläser verlautbart, ein möglicherweise erringbares Direktmandat nicht anzunehmen.

Offensichtlich war der Partei, die sonst kein Problem mit krimineller Vergangenheit oder Gegenwart hat, ein Bankräuber dann doch zu viel.

Nazi-Symbole bei Gästen – für die AfD kein Problem

Bei einer Wahlkampfveranstaltung der AfD in Berlin-Lichtenberg hat die Polizei gleich drei Gäste erkennungsdienstlich behandeln müssen. Denn die Herren hatten Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen tätowiert. Ganz öffentlich waren Hakenkreuze und die Zahlenkombination 88 zu sehen. Vonseiten der Veranstalter ist kein Einschreiten bekannt.

Stadt Mannheim prüft rechtliche Schritte gegen Stadträtin Silke Koch

Die AfD-Politikerin hat Schwimmbadfotos von Musliminnen in ihrem öffentlichen WhatsApp-Status gepostet und mit Kommentaren wie „Dreck“ oder „fetter Schariachef“ versehen. Es steht der Vorwurf der Volksverhetzung im Raum. Koch rechtfertigte ihre Kommentare damit, dass sie „lediglich auf eine mögliche Verunreinigung des Beckenwassers durch Textilien aufmerksam machen wollte“.

Die Stadt kritisiert die AfDlerin. Muslimische Badebekleidung ist ausdrücklich erlaubt. Im Übrigen sei das Fotografieren im Schwimmbad verboten. Die Kommentare seien rassistisch.

Der Mannheimer Morgen hält die Dame für nicht mehr tragbar. Das Problem ist allerdings, dass ihr Ehemann der Fraktionsvorsitzende ist. Gegen Koch wurden inzwischen mehrere Strafanzeigen eingereicht.

AfD klärt eigene Wähler auf

Ein TikTok-Post der AfD KV Celle spricht Bände. „Bitte unterschreibt niemals einen Wahlzettel und unterlasst unbedingt Veränderungen. Macht einfach euer Kreuz“, steht schwarz auf blau in dem Post.

Linke Influencer empfehlen gerne, die Wahlzettel zu unterschreiben, damit sie bei der Auszählung durch die eigenen Leute identifiziert werden können. Sie gelten angeblich als Beleg für unverfälschte Wahlzettel.

Eine Tasse der russischen Armee macht Schlagzeilen

Paul Ronzheimer, Chefreporter der Bild, war wie viele andere Reporter in Sachsen-Anhalt unterwegs, um herauszukriegen, warum angeblich 40 % der Wahlberechtigten eine rechtsextreme Partei wählen wollen.

Er besuchte auch Hans-Thomas Tillschneider, den Chefideologen der AfD, in seinem Wahlkreisbüro. Tillschneider zeigte dort einige Souvenirs, unter anderem eine Tasse mit dem Spruch „Armee Russlands“.

Während des Drehs stellte das Ganze kein Problem dar, doch im Nachhinein schickte Tillschneider Anwälte, um die Ausstrahlung der Tassenbilder zu verhindern. Ronzheimer veröffentlichte sie trotzdem.

Der Vorgang ist nicht der erste Fallout bei Tillschneider. Zuletzt hat er versucht, einen Podcast mit Melanie Amann anwaltlich zu verhindern. Auch dort waren seine Aussagen im Nachhinein nicht so ausgefallen, wie er sich das vorgestellt hat.

Teilen Sie diesen Artikel:

Hinterlasse einen Kommentar